BildungsAusflug Hohenhems

Das Jüdische Museum in Hohenems besteht seit 1991. Es wurde seither mehrmals auch mit internationalen Preisen ausgezeichnet. So auch für seine schon seit vielen Jahren anerkannte Rolle als Vorreiter und Vorbild in der der Kultur- und Geschichtsvermittlung. Die VASO- Studienreisenden vom 8. März 2025 bot es hochinteressante Einblicke in und über das ehemalige Jüdische Leben und Miteinander in Hohenems. In der Dauerausstellung wird dieses Jüdische Leben sowohl mit und in «guten wie in schlechten» Zeiten mit vielen Exponaten sehr zeitnah den Besucher*innen näher ge-bracht.

Die Reichsgrafen von Hohenems holten 1617 Juden in den Ort mit der Absicht einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung zu bewirken. Die höchste Anzahl jüdischer Einwohner*innen wurden 1862 mit 564 gezählt. Mit der Deportation der letzten Jüdin, im Jahr 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt, endete das jüdische Leben in Hohenems. Die damalige jüdische Gemeinde unterhielt gute Kontakte in die Schweiz, vor allem mit der Jüdischen Gemeinde in St. Gallen. Heute sind noch einige jüdische Spuren vor allem zwischen der Marktstrasse (ehemalige Christenstrasse) und der Schweizerstrasse und dem Emsbach zu sehen. So die ehemalige Synagoge, das Versorgungsheim für Arme und Alte, die Mikwe, das jüdische Schulhaus, Wohnhäuser und sogar Fabrikanten-villen. Ebenso erinnern «Stolpersteine» an die Vertreibung und Ermordung, somit an die Schicksale jüdischer Menschen von Hohenems. Südlich und ausserhalb der Stadt liegt der jüdische Friedhof.

Besuch des Jüdischen Viertels

Der Spaziergang durch das ehemalige Jüdische Viertel, durch die Schweizer Strasse mit Blicken auf Seitengassen und Häusern gaben Eindrücke in das Gestern und Heute in Hohenems ab. Hanno Loewy erzählte von der Synagoge die nach dem 2. Weltkrieg lange Jahre als Feuerwehrmagazin der Stadt Hohenems missbraucht wurde und von den Flüchtlingsströmen jüdischer Menschen aus Österreich, vor allem aus Wien, die über den Alten Rhein in die nahe Schweiz flüchten wollten, in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg, als Hitler seine ursprüngliche Heimat ins Reich holte und die Nazis ihre Repressionspolitik auch in Österreich umsetzten. Und die Schweiz nach Paul Grüningers humanem Handeln und Wirken gerade in dieser Grenzregion von Hohenems und Diepoldsau ihre Isolationspolitik mit der Ausgrenzung vor allem der Jüdischen Flüchtlinge in einer «Das Boot ist voll – Politik» politisch und gesellschaftlich gewollt umsetzte.

Besuch der Sonderausstellung «Yalla – arabisch-jüdische Berührungen

Hanno Loewy, Direktor des Museums, erzählte uns die Geschichte der Hohenemser Juden, die mit ihren Nachkommen bis heute weiterlebt und, wenn auch an andern Orten, auch in die Zukunft weiterleben wird. Ebenso stellte er uns die vielen Arbeiten, Ausstellungen und das Wirken des Museums in vielen Bereichen des Nicht-Vergessens, aber auch bei vielen Projekten für ein friedliches Dasein und Miteinander Leben verschiedenster Menschengruppen. Auch die immer intoleranteren politischen Verhältnisse mit nationalistischen, autoritäreren Tendenzen und zunehmendem Fremdenhass im Alltagsleben in vielen Staaten der Welt macht dem Ausstellungsmacher-Team in Hohenems, aber natürlich auch uns VASO- Besucher*innen immer mehr Sorge. Aber auch immer mehr suchend nach Vermittlungsansätzen in der Zivilgesellschaft. Besonders tiefe Eindrücke mit langem Nachwirken bei unserer VASO- Gruppe hinterliessen die Gedanken, Visionen von Hanno Loewy zum Konflikt und den Schwierigkeiten akzeptierbare und vernünftige Lösungen für alle Menschengruppen in Israel – Palästina, für alle Juden und Araber zu finden. Fazit des Gesprächs – weder linke noch rechte Dogmen und Theorien sind dabei hilfreich.

Hanno Loewys Vision zu diesen historisch so schwer gebeutelten und geschändeten Landschaften und Menschen, verkürzt zusammengefasst: «Es sollte eine Nation mit föderalen Strukturen mit gleichberechtigten Menschengruppen in diesem Land entstehen. Die Schweiz kann Vorbild sein».

Das Gespräch mit Hanno Loewy hat bei allen Teilnehmenden unserer Studienreise sehr tiefe Eindrücke und Anstösse zu neuen Überlegungen und Einschätzungen hinterlassen.

Der VASO dankt dem Team des Jüdischen Museums Hohenems und insbesondere seinem Direktor Hanno Loewy sehr herzlich für diesen lehrreichen Einblick in die Jüdisch – arabische Gefühlswelt und für das grosse Engagement in der Friedensarbeit und wünscht dem Jüdi-schen Museum und seinem ganzen Team weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit zur Nicht Vergessen-Erinnerungskultur und bei seinen zukunftsträchtigen Projekten für das Zusammenführen von Menschen, die trotz allen negativen Nachrichten und Schwierigkeiten an das Gute in den Menschen glauben.

Ausführlicher Beitrag als PDF.

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113. GV in St. Gallen

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Studienreise Österreich